Ausgelöst durch den Wirtschaftsboom der
Nachkriegszeit verlassen viele Menschen den Süden Italiens in
Richtung der norditalienischen Metropolen.
Um diesem Trend entgegenzuwirken plant man 1967,
unter Leitung von Rudolf Hruska in Pomigliano d'Arco ein weiteres
Werk, in dem der Alfa Romeo für die breite Masse entstehen soll.
Früher entstanden hier Flugzeugmotoren sowie die Renault
Lizenzmodelle Dauphine und R4. Folglich ändert sich ab diesem
Zeitpunkt auch das Markenemblem von "Alfa Romeo Milano" in "Alfa
Romeo", der Hinweis auf den Produktionsstandort entfällt somit.

Technisch ist der 1972 der Öffentlichkeit
präsentierte Alfasud eine völlige Neukonstruktion: er verfügt über
einen wassergekühlten kompakten Vierzylinder-Boxermotor, der die
Vorderräder antreibt, sowie Scheibenbremsen (vorne innenliegend) an
allen Rädern und über ein hervorragendes, sportlich abgestimmtes
Fahrwerk. Das Design des Alfasud stammt einmal mehr von Giorgetto
Giugiaro, der bereits für den Alfa Giulia Sprint GT ("Bertone")
verantwortlich zeichnete. Den dank des flach bauendem Boxermotor
aerodynamisch geformten Sud gibt es zunächst mit 2 und 4 Türen, ab
1975 auch als 2-türigen Kombi "Giardinetta" mit holzverkleideter
Ladefläche.
Die Sportversion "ti", zunächst erkennbar am
schwarzen Heckbürzel und den Doppelscheinwerfern, wird bis 1978 von
einem 1.200 ccm großen und dank Doppelvergasern 68 PS leistenden
Motor vorangetrieben. Dieses Modell gewinnt 1974 einen umfangreichen
Vergleichstest gegen den VW Golf, den Opel Kadett, den FIAT 128, den
Renault 12 sowie den Simca 1100. Zeitgleich wird der europaweit
ausgetragene Alfasud Markenpokal ins Leben gerufen, bei dem bis zu
128 PS starke, von Autodelta vorbereitete Fahrzeuge gegeneinander
antreten. Ein prominenter Teilnehmer war übrigens Gerhard Berger,
später in Diensten der Scuderia Ferrari und Teamkollege von Jean
Alesi in der Formel 1.
Ab 1978 leistet der "ti" mit 1.300 ccm 75 PS
sowie mit 1.500 ccm 83 PS. 1980 erfolgt schon das nächste Facelift
und beschert neben der inzwischen in dieser Fahrzeugklasse
obligatorischen Heckklappe, dem Sud ti weitere zusätzliche 12 PS, so
dass er nun 95 PS leistet. Der 1982 lancierte Sud "ti QV" schöpft
aus 1.500 ccm sogar 105 PS und erreicht neben begeisternden
Beschleunigungswerten damit eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h.
Leider kann der Alfasud sein Potential zu keiner
Zeit in wirtschaftlichen Erfolg umsetzen: aufgrund unzähliger
Streiks wird der Alfasud zum Synonym für das Fahrzeug, welches schon
im Prospekt rostet...
Somit ruiniert der Alfasud den Ruf Alfa Romeos
nachhaltig.
1976 erscheint als weitere Karosserievariante der
Sud Sprint, ebenfalls entworfen von Giugiaro, der inzwischen
selbstständig mit seiner Firma ItalDesign Fahrzeuge entwirft und
nicht mehr für Nuccio Bertone tätig ist.
Von besonderem Interesse ist der für den Einsatz in
der Gruppe B vorgesehene Sud Sprint 6C, den Zagato 1982 der
Öffentlichkeit präsentiert. Äußerlich erscheint dieses Modell wie
ein verbreiterter Sud Sprint, allerdings verfügt dieser über den
Alfa V6- Motor aus dem Alfa 6, der hier allerdings in Wagenmitte
platziert wird. Leider wird die Gruppe B Meisterschaft aufgrund
einiger tödlicher Unfälle schon bald eingestellt, so dass der Sprint
6C nur in einer Stückzahl von 5 Exemplaren produziert wird.
1983 bringt ein umfangreiches Lifting für den
straßentauglichen, serienmäßigen Alfasud Sprint Anbauteile aus
Kunststoff, geänderte Aluminiumfelgen sowie größere
Doppelscheinwerfer. Die vormals vorne innenliegenden Scheibenbremsen
wandern nach außen an die Räder und erhöhen die ungefederten
Massen.1984 erhält der Sud Sprint den 1.700 ccm Boxermotor aus dem
inzwischen vorgestellten Alfa 33.
1989 endet auch die Produktion des Sud Sprint.